Erzählungen

Die Kunst, Bier zu brauen…

Im 15. Jahrhundert hatte fast jedes haus das Braurecht, das so genannte „Brauerbe“. Es war an das Haus und nicht an den jeweiligen Besitzer gebunden. Zu dieser Zeit konnte jeder selbst bestimmen, wie viel Steuern er bezahlen wollte. Es gab aber auch einen Anreiz: Nur der, der Steuern zahlte, war kreditwürdig und galt etwas in der Stadt. Wer keine Steuern zahlte, wurde als nicht vermögend angesehen und hatte kein Ansehen. Die Brauer zahlten grundsätzlich brav Steuern und bildeten so zusammen mit den Gewandschneidern, Tuchhändlern und anderen den Rat der Stadt.

Zum Bierbrauen wurden damals Malz aus Gebieten südlich der Elbe oder Pommern und Wasser aus den Fleeten genommen. Dieses war zwar relativ verschmutzt und wurde in der Deichstraße nicht als Trinkwasser verwendet, dem Bier gab es aber angeblich erst die richtige Würze. Wenn das feuchte Malz zu keimen begann, wurde es auf einem Rost aus geflochtenen Weideruten (Darren) über offenem Feuer erhitzt. Je länger gedarrt wurde, desto stärker, dunkler und haltbarer wurde das Bier. Das gedarrte Malz wurde dann gemahlen und musste ein paar Tage ruhen. Dann wurde es eingeweicht, gerührt und geklärt. Hierbei entstand die Maische. Die Maische wurde weiterhin gerührt und dann konnte man die „Würze“ abgießen. Diese wurde mit Hopfen gekocht und dann abgekühlt. Zum Schluß kam noch Hefe dazu. Fertig war das Hamburger Bier.

 

Die Holländer kommen…

Mitte des 16. Jahrhunderts erhielten Holländer und englische Kaufleute als erste Ausländer die Erlaubnis, sich in Hamburg niederzulassen. Sie brachten viel neuen Reichtum in die Stadt. Die lutherischen Pastoren allerdings hatten erhebliche Vorurteile gegen die Zuwanderer. Die Holländer waren Calvinisten und in ihren Predigten wetterten die Pastoren offen gegen Calvinisten oder Mennoniten, die in ihren Augen nichts anderes als gottlose Anarchisten waren. Sie machten sich die Fremdenfeindlichkeit der Bürger zunutze. So kam es immer wieder zu Übergriffen gegen die Zugezogenen. Trotzdem fühlten sich die Holländer sehr wohl in Hamburg; besonders in der Deichstraße. Sie war eine gute Adresse für wohlhabene Kaufleute und es ergaben sich immer wieder Möglichkeiten, neue Gebäude anzumieten. Letzten Endes aber profitierte die Hamburger Kultur von den neuen Mitbürgern. So besetzten immer mehr Holländer diplomatische Ratsämter und brachten als Juristen, Ärzte, Juweliere und Goldschmiede neues Knowhow in die Stadt.

 

Füer in de Diekstraat!

Das Frühjahr 1842 war ungewöhnlich warm. Die Fleete wandelten sich in Morast und stanken unerträglich und das Gebälk der Fachwerkhäuser knisterte ausgetrocknet vor sich hin. In den ersten Morgenstunden des 5. Mai entdeckte ein Nachtwächter als erster das Feuer und schlug Alarm. Seine Kolegen stimmten ein, der Kirchturmwärter von st. Nikolai brachte Bewegung in seine Glocken, Wachsoldaten gaben Warnschüsse ab und die Bürgerwehr ließ ununterbrochen warnende Trommelwirbel ertönen.

Die Hamburger nahmen die Warnungen nicht ernst und blieben in ihren Betten. Denn die Speicher der Stadt brannten häufig und die Feuerwehr hatte immer alles schnell wieder unter Kontrolle. Doch an diesem Morgen erkannten die Männer sehr schnell, dass die Aufgabe ihre Kräfte überstieg. Der morgendliche Südostwind frischte auf und heizte das Feuer noch weiter an. Schnell brannte der erste Getreidespeicher. Die brennenden Körner explodierten und flogen auf die angrenzenden Gebäude, die sofort Feuer fingen. In anderen Speichern verbrannten Tabak und Rum, Tee und Baumwolle. Schnapswässer zerbarsten und ihr Inhalt floss in die Fleete, wo er die Löschgeräte in Flammen hüllte, Schuten und Boote in brand setzte. Einige Getreidespeicher explodierten förmlich.

Plötzlich drehte der Wind auf Südwest und trieb die Flammen in Richtung Hopfenmarkt. So fing der Kirchturm von St. Nikolai Feuer und brannte innerhalb weniger Stunden völlig aus. Das Feuer ging weiter bis zur alten Börse und bald brannte auch auf dem Jungfernstieg die hohen Linden. Das Ausmaß des Brandes war unglaublich.

Erst nach vier Tagen endete der Große Brand. Es waren 51 Menschen ums Leben gekommen und mehr als 20000 Obdachlose irrten durch die Straßen. Allein in der Deichstraße vernichtete der Brand 40 Häuser.

Die Straße, in der der Brand endgültig endete, heißt bis heute Brandsende.

 

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