Geschichte des Vereins

Nach dem zweiten Weltkrieg sanierte man das geschundene Hamburg radikal. Schnell wurden Häuser abgerissen, ohne zu überlegen, ob sie eventuell historisch interessant sein könnten. So erging es auch der Deichstraße. Es herrschte die Meinung vor, dass die Glanzzeit dieser Straße vorbei sei.

Doch nachdem schon die ersten Häuser abgerissen wurden, für einige weitere Abbruchanträge vorlagen, wurden Stimmen laut, die dafür plädierten, die Zeugnisse der Vergangenheit nicht einfach zu vernichten. Die Journalistin Gisela Schiefler und der Architekt Gerhard Hirschfeld beschritten einen langen Weg, um ein altes Stück Hamburg zu erhalten.

Am 13. April 1972 unterzeichneten die Nachkriegsbürgermeister Max Brauer, Kurt Sieveking, Paul Nevermann und Herbert Weichmann, der Präses der Handelskammer Herbert Westrich, der spätere Senator und Ehrenvorsitzende der Hamburger FDP Peter-Heinz Müller-Link und Dr Jürgen Westphal von der CDU den Gründungsaufruf für einen Verein, der die an der Deichstraße noch erhaltenen Häuser sichern und erhalten sollte. Zu dieser Zeit galt die Deichstraße als unattraktiver Standort, weil sie durch die Ost-West-Straße (heute: Willy-Brandt-Straße) von der City abgeschnitten war. Das gesamte Gebiet litt unter akutem Investitionsmangel; Gebäude und Wohnungen waren meist stark vernachlässigt. Es gab nur wenige finanzstarke Unternehmen.

Dies wollte der Verein ändern. 1977 wurde die Deichstraße durch den Bezirk förmlich als Sanierungsgebiet anerkannt. Weitere Häuser wurden unter Denkmalschutz gestellt, was bedeutete, dass Haussanierungen und alle begleitenden Maßnahmen durch Bund und Stadt finanziert werden konnten. Durch Spenden und Zuwendungen wurde der Verein in die Lage versetzt, zunächst das Haus Nr. 37 und dann im Laufe der Zeit weitere Häuser zu erwerben. Die Mitglieder des Vereins fingen an, ihre „Schützlinge“ historisch zu restaurieren. Klaus Francke, damaliger CDU-Bundestagsabgeordneter, wurde zu der Zeit Erster Vorsitzender des Vereins „Rettet die Deichstraße e.V.“.

Die Aktionen des Vereins wirken ansteckend. Andere Eigentümer begannen nun ebenfalls, ihre Häuser zu sanieren und restaurieren.

Derzeit gehören dem Verein die Häuser Deichstraße 32, 35, 37, 39 und der Verein bemüht sich ständig um den Ankauf weiterer Gebäude. Manch ein Privatbesitzer fühlt sich durch die kostenintensiven historischen Bauten überfordert. Der Verkauf an den Verein ist dann nicht selten eine für alle Beteiligten sinnvolle Lösung, für manches Haus sogar die letzte Rettung.

Nach einer Satzungsänderung konnten die Bemühungen auch über den engeren Bereich der Deichstraße hinaus ausgedehnt werden. So kaufte der Verein 2008 das Grundstück Krayenkamp 10/11, bekannt als „Krameramts-Stuben“, eine weitere historische Einrichtung Hamburgs. Die „Kramer-Witwen-Wohnung“, eine im Stil des 19. Jahrhunderts ausgestattete Museumswohnung des Hamburg-Museums, wurde wieder hergerichtet.

Diese ehrgeizigen Projekte erfordern neben Engagement viel Geld. Die insgesamt gesunde Finanzlage des Vereins stützt sich auf Miet- und Pachteinnahmen aus den Wohnungen und Läden sowie auf Mitgliederbeiträge, Spenden und Schenkungen.

 

AUSZEICHNUNGEN

Walter-Hesselbach-Preis 1985 wurde dieser „Deutsche Städtebaupreis“ den Architekten den Architekten des Vereins, der  Planungsgruppe Nord (insbes. Für den Neubau des Hauses Nr. 35) zusammen mit den anderen an den Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten der Straße beteiligten Architekten und dem Amt für Stadterneuerung für die gelungene Koordination verliehen.

Silberne Halbkugel der Deutschen Stiftung Denkmalschutz 1987 erhielt der Verein die Silberne Halbkugel der Deutschen Stiftung Denkmalschutz für seine Bemühungen um die Erhaltung, Restaurierung und Sanierung der Straße verliehen.

Medaille des Vereins für Hamburgische Geschichte 1989 nahm der Verein die silberne „Ehrenmedaille für Verdienste um die Stadtgeschichte“ des ehrwürdigen Vereins für Hamburgische Geschichte entgegen.

Bundesverdienstkreuz 1992 erhielt der langjährige Schatzmeister des Vereins, Paul-Peter Juul (1912-2008) für seine Arbeit im Verein vom Bundespräsidenten das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Biermann-Ratjen-Medaille Am 28.02.2011 wurde vom Senat dem Architekten Gerhard Hirschfeld die Biermann-Ratjen-Medaille unter anderem als Anerkennung seiner Verdienste um den Erhalt der Deichstrasse verliehen. Mit dieser Auszeichnung würdigt die Freie und Hansestadt Hamburg seine langjährigen und vielfältigen Verdienste um das Erscheinungsbild der Stadt.

Die Geschichte der Deichstrasse ist ausführlich nach zu lesen in „Bürger – Brauer – Zuckerbäcker von Ariane Knuth und Dierk Strothmann.

Das Buch kann über den Verein bezogen werden.

 

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